Logbuch: 3. Tag auf der Körper-Insel

„Das ist ja so viel einfacher!“ – hat heute eines meiner Piratenkinder gesagt, nachdem ich ihnen beim „Wellenspuren“ einen „Piratentrick“ für das Halten des Stiftes gezeigt hatte.

Wir arbeiten in der Piratenreise ja normalerweise fast nur in Bewegung und so gut wie gar nicht auf dem Papier. Aber wir haben bewusst schon gleich am Anfang der Reise eine kleine Übung zur Grafomotorik eingebaut um zu sehen, ob wir noch hinsichtlich der Stifthaltung unterstützen können. Es ist nämlich total schwer sich eine fürs Schreiben ungünstige Stifthaltung in der 1. Klasse wieder umzugewöhnen.

Aber erst mal von vorn: Es war eine total schöne Piratenstunde heute:

Zuerst haben wir uns durch einen engen Palmenwald gequetscht, sind einem Baumwächter begegnet und haben Mangos vom Baum geworfen (wir hatten einfach einen Riesenhunger…). Dann waren wir so platt vom vielen Essen, dass wir uns am Strand ausruhen mussten. Dort gab es ganz einzigartige Wellen: zackige, runde und sogar Looping-Wellen (gibt’s nirgendwo sonst auf der Welt!!). Die wollten wir unbedingt festhalten und haben sie uns aufgemalt.

Und dabei kamen wir dann zu dem „Piratentrick“: In meiner Gruppe haben nämlich fast alle Kinder noch eine fürs Schreibenlernen eher ungünstige Stifthaltung, z.B. mit stark überschlagenem Daumen. Ein Junge greift den Stift sogar von oben, sodass er nicht auf der Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger aufliegt, sondern unter der Handfläche gehalten wird – das erschwert das Malen (und später Schreiben) natürlich enorm. Ich hab dann den „Trick“ einer tollen Kollegin (danke Katja!!!!) erklärt: „Stellt euch vor, der Stift wäre ein Auto. Mama und Papa sitzen vorn, sie steuern das Auto.“ Da hab ich mit einem dicken Dreikantbuntstift gezeigt, wie Daumen und Zeigefinger – also Mama und Papa – sich an je eine Seite des Stiftes anlehnen. „Die drei Kinder…“ (also Mittel-, Ring- und kleiner Finger) „…sitzen hinten“ – also unter dem Stift (👉 klassischer Dreipunktgriff). Damit sich der Daumen nicht über den Zeigefinger legt und damit die Beweglichkeit einschränkt ging es noch weiter: „Ein kleines Küsschen beim Fahren ist erlaubt (Daumen und Zeigefinger dürfen sich also etwas berühren) – Knutschen und Umarmen geht aber nicht! Das wäre beim Fahren ja gefährlich!“ Das fanden die Kinder natürlich total lustig.

Sie haben es direkt ausprobiert, was ja wirklich nicht einfach ist, wenn man sich schon eine andere Stifthaltung angewöhnt hat! Aber sie waren total motiviert, weil es ja ein „Piratentrick“ ist und ich ihnen gesagt hatte, dass es mit etwas Geduld und Übung mit der Zeit immer leichter wird, den Stift auf diese Weise zu halten. Und dass Ihnen der Trick später beim Schreibenlernen in der Schule helfen kann. Ja und dann hat eines der Mädchen (zuvor mit stark übergeschlagenem Daumen) gerufen „Das ist ja so viel einfacher!“ Schön! Auch der Junge, der den Stift von oben hielt, war total motiviert. Ihm habe ich gesagt, dass das Malen der Wellen noch leichter wird, wenn er den Stift nicht „tragen“ muss (er hat ihn ja von oben gegriffen) – sondern ihn einfach auf der Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger ablegt. Das fand er total einleuchtend und hat das dann super umgesetzt. Echt prima! 😊

Und super genial war auch Julias Tipp aus unserem letzten MemberShip-Gruppen-Call am Dienstag: Da hatte eine unserer MemberShip-Piratinnen berichtet, dass bei ihr die Kinder den Kreuzungspunkt bei der liegenden Acht in unserer Wellenspuren-Vorlage meist nicht schaffen – also entweder in der Mitte stocken, neu ansetzen oder die beiden Kreise der Acht jeweils getrennt nachfahren. Das ist auch meine Erfahrung in den Piratengruppen: Gerade der Mittelpunkt bei der liegenden Acht ist für viele Kinder ein Knackpunkt und das Kreuzen der Körpermittellinie fällt ihnen oft schwer. Fürs Schreiben ist das später aber total wichtig, da muss man ständig über die Mittellinie. Julia hatte im Gruppen-Call empfohlen, für die liegende Acht eine Büroklammer 📎 zu benutzen, die dann mit dem Stift als Führung wie ein Rennauto durch die Kurven sausen kann. Das habe ich heute gleich ausprobiert. Weil’s noch besser zum Piratenthema passt, war die Büroklammer bei uns ein „Boot“ (die Büroklammer-Form passt dazu auch perfekt 😀) und das hat einfach super funktioniert! Ich hab die Kinder dann noch besonders darauf hingewiesen, dass sie in der Mitte (also am Kreuzungspunkt) sehr aufpassen müssen, dass sie nicht aus Versehen abbiegen, sondern einfach geradeaus weiter sausen. Alle (!) Kinder haben es geschafft! Und sie wollten unbedingt noch ein zweites Blatt, um das zu Hause nochmal zu machen. Toll!

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