Konzept Piratenreise

Basiskompetenzen für einen guten Schulstart

Das Jahr vor der Einschulung ist in vielerlei Hinsicht eine besondere Zeit für die Kinder. Viele Kinder sehnen es bereits herbei, endlich ein „Vorschulkind“ zu sein und damit zu den Großen der Kita zu gehören.
Das Vorschuljahr ist auch ein Zeitraum, in dem spezielle Fähigkeiten, die jedes Kind für einen guten Start ins Schulleben benötigt, nochmals verstärkt in den Blick geraten und unterstützt werden sollen. Denn Lernschwierigkeiten und Lernstörungen sind ebenso wie Aufmerksamkeitsstörungen und sozial-emotionale Probleme häufig bereits in der Schuleingangsphase zu erkennen und deuten sich oft sogar schon in der Kita an. Um Kinder mit Auffälligkeiten früh erkennen und gezielt unterstützen zu können sowie alle Kinder breit zu fördern, sind Prävention und eine gute Vernetzung der Fachkräfte in Kita, Schule und Therapie wichtig.

Die „Piratenreise“ ist ein Förderprogramm für Kinder im letzten Kindergartenjahr und wurde in einer multidisziplinären Zusammenarbeit von Pädagoginnen (Elementar-, Sonder- und Heilpädagoginnen) und Therapeutinnen (Ergo-, Bewegungs- und Lerntherapeutinnen) entwickelt. Im Rahmen einer präventiven Entwicklungsunterstützung fördert das Programm spielerisch bedeutende Basisfähigkeiten für das Lernen: Motorik, Wahrnehmung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Sprache und Phonologische Bewusstheit sowie mathematische Grundkompetenzen und sozial-emotionale Fähigkeiten.

 

Aufbau des Förderprogramms

Das Förderprogramm begleitet die Kinder mit zwei ausgebildeten Fachkräften über einen Zeitraum von 8-9 Monaten und umfasst insgesamt 32 Förderstunden (je 60 min). Einmal wöchentlich reisen die Kinder als Piraten zu insgesamt 8 „Inseln“, die verschiedene Entwicklungsthemen widerspiegeln:

  1. KörperPiratenreise_LOGO_ohne Namen
  2. Sinne
  3. Farben und Formen
  4. Rhythmus und Muster
  5. Reime und Sprachspielereien
  6. Erzählen und Ordnen
  7. Experimentieren und Forschen
  8. Bauen und Gestalten

 

Die Rahmenhandlung einer großen Piraten-Abenteuerreise gibt den Kindern dabei eine vielfältige Spiel- und Phantasiewelt vor, in der neue Kompetenzen erfahrbar werden können, welche die Kinder als sinnvoll und handlungsorientiert erleben. Fähigkeiten sollen nicht isoliert „geübt“ oder „trainiert“, sondern als Lernanreiz dargeboten werden, der in einem deutlich nachvollziehbaren und kindgemäßen Sinnzusammenhang steht. So können über Schatzsuchen, Abenteuer und Rätselaufgaben grundlegende Kompetenzen spielerisch erweitert und vertieft werden.

Das Programm beinhaltet parallel zur Förderung eine umfassende förderdiagnostische Erfassung der Kinder. Dabei werden die Fähigkeiten und Stärken der Kinder ebenso in den Blick genommen wie etwaiger Unterstützungsbedarf. Mit Hilfe von Beobachtungsbögen wird gezielt beobachtet, so dass im Laufe der Durchführung des Programms ein differenziertes Bild der einzelnen Kinder entsteht. So wird für jedes Kind ein eigenes Entwicklungsprofil erstellt, das die Grundlage für das im Konzept verankerte Elterngespräch bildet.
Parallel zum Projekt finden 4 Themenabende für die Eltern und Erzieher/innen der Kinder statt, welche die aktuellen Entwicklungsthemen der „Inseln“ aufgreifen und in denen weiterführende Unterstützungsmöglichkeiten in Kita und Familie gemeinsam erarbeitet werden.

 

Inhalte des Programms

Neben speziellen schulischen Basisfähigkeiten (Phonologische Bewusstheit und mathematische Grundfähigkeiten), kognitiven Fähigkeiten (z.B. Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit und exekutive Funktionen wie Impulskontrolle) sowie sprachlichen Kompetenzen (z.B. Wortschatz, Satzbau, Lautbildung) nimmt das Programm insbesondere sensomotorische Basisfähigkeiten in den Blick. Eine solide sensomotorische Basis äußert sich in grundlegenden Fähigkeiten wie bspw. Gleichgewicht, Körperspannung, Koordination und Feinsteuerung (z.B. Grafomotorik). Eine gute visuelle, auditive, taktil-propriozeptive sowie vestibuläre Wahrnehmung ist die Grundlage für eine sichere Körper- und Raumwahrnehmung. Diese wiederum ist Voraussetzung für die Orientierung im gehörten wie gedruckten Wort (Lautanalyse und Lautsynthese) und somit fürs Lesen- und Schreibenlernen wie auch für ein Bewegen in (imaginativen) mathematischen Räumen.

Das Programm „Segel setzten, Leinen los! Auf Piratenreise im letzten Kitajahr“ bietet dementsprechend gezielt vielfältige Körper- und Raumerfahrungen und spricht alle Sinne an. Kinder mit Unterstützungsbedarf können frühzeitig entdeckt und Hilfen wie Ergotherapie oder logopädische Behandlung noch vor Eintritt in die Schule  angebahnt werden. Kinder mit Schwierigkeiten in den Bereichen Phonologische Bewusstheit, mathematische Grundfähigkeiten und Aufmerksamkeit können früh erkannt und Hilfen rechtzeitig auf den Weg gebracht werden – noch bevor sie sich zu Lernschwierigkeiten oder sogar -störungen wie Legasthenie und Dyskalkulie verdichten und zusammen mit sich ansammelnden Misserfolgserlebnissen und negativen Lernerfahrungen die Lernmotivation und -freude des einzelnen Kindes gefährden.

Ein weiterer Schwerpunkt des Programms liegt auf der Förderung sozial-emotionaler Fähigkeiten: eigene Bedürfnisse erkennen und äußern zu können, sich in einer Gruppe zu orientieren und zu behaupten sowie Lernmotivation/-freude, Frustrationstoleranz und Selbstregulierung sind ebenso wichtig für einen guten Start in der Schule wie die schulischen Basiskompetenzen Phonologische Bewusstheit und mathematische Grundfähigkeiten. Die „Piratenreise“ möchte die Kinder stärken für den Übergang in die Schule, der für die meisten Kinder – wenn auch freudig erwartet – auch mit Unsicherheiten verbunden ist. Gruppenerlebnisse, die eigenverantwortliches Lernen, kreatives und lösungsorientiertes Denken sowie ein soziales Miteinander ins Zentrum stellen und den Kindern Erfahrungsräume bieten, in denen sie sich als selbstwirksam erleben können, sind ein wichtiger Bestandteil des Programms.

Am Ende des Programms und nach einem guten dreiviertel Jahr wird die Abenteuerreise der „Piratenmannschaft“ schließlich symbolisch – dann bricht jeder kleine Pirat auf in neue unbekannte Gewässer, mit einigen „Schätzen“ im Gepäck.

Wir bieten interessierten Fachkräften Fortbildungen zum Förderprogramm an. Hier finden Sie weitere Informationen zu Aufbau und Inhalten der Fortbildung, sowie aktuelle Fortbildungstermine.

Termine

  • Fortbildung
    in der Ergotherapie-Praxis Julia Bauschke, Berlin
    24. - 26. August 2018
    mehr Infos