Neues vom Piratenschiff – Input aus der Praxis: Die Erarbeitung der Raumdimensionen rechts und links

Im Dezember sind die Piraten in der Regel auf der 3. Insel der Piratenreise, der Insel der Formen und Farben gelandet. In der dritten Förderstunde der Insel liegt der Themenschwerpunkt auf der Erarbeitung der Raumdimensionen rechts und links.

SäbelhandDie Unterscheidung von rechts und links lässt sich besonders gut lernen, wenn die Körperwahrnehmung einbezogen wird – insbesondere, wenn die Kinder sich ihrer eigenen (Rechts- oder Links-)Händigkeit bewusst werden. Weiß ich bspw., dass ich immer mit der rechten Hand male und schneide, weiß ich zugleich, wo rechts ist – und somit auch, wo links ist (nämlich auf der anderen Seite!). Ein erster Schritt bei der Erarbeitung der Raumdimensionen links und rechts kann es darum sein, dass sich die Kinder ihrer eigenen Händigkeit bewusst werden. Dies machen wir im Rahmen der Piratenreise mit der Einführung des Begriffs der „Säbelhand“: „Wusstet ihr schon, dass jeder Pirat eine Hand hat, mit der er bestimmte Dinge besser kann? Z.B. werfen, malen, schneiden oder ein Glas auf- und zuschrauben. Das ist die „Säbelhand“, denn mit dieser stärkeren und geschickteren Hand führen die Piraten ihren Säbel!“ Die Kinder überlegen nun, welches ihre geschicktere Hand ist. (Für Kinder, die unsicher sind bzw. sich nicht erinnern, mit welcher Hand sie bevorzugt malen oder schneiden, können Stift und Schere bereit liegen um es noch einmal auszuprobieren. Andere Möglichkeiten sind z.B. die Kinder sich gegenseitig zuwinken zu lassen – mit welcher Hand winken sie spontan? – oder sie zu bitten sich mit einer imaginären Zahnbürste die Zähne zu putzen.) Haben die Kinder ihre dominante Hand herausgefunden – in der Regel können sie dies schnell benennen –, wird ihnen als visuelle Stütze mit einem Schminkstift ein kleiner Säbel auf diese Hand gemalt. Anschließend wird mit den Kindern aufgearbeitet, dass ihnen ihre „Säbelhand“ bei der Unterscheidung von links und rechts helfen kann. Im Sitzkreis können die Kinder dann versuchen mit Blick auf ihre „Säbelhand“ zu benennen, welches Kind links und welches rechts von ihnen sitzt. Bei dem Spiel „Die Lichtung der Riesenpilze“ werden die Raumdimensionen links und rechts dann noch einmal intensiv spielerisch eingeübt – viele Kinder sind am Ende der Stunde ganz froh und überrascht, dass sie plötzlich rechts und links unterscheiden können!

Um das neu Erlernte zu festigen, kann das Thema in der folgende Woche auch verstärkt in der Kita aufgegriffen werden, z.B. durch

  • Sortierspiele („Lege sechs Bausteine auf die linke Seite und drei nach rechts!“)
  • ein Bild nach Anleitung malen („Malt in die Mitte eures Blattes ein Haus. Nun malt links daneben einen Baum…)
  • verstärktes Einbeziehen der Raumdimensionen rechts und links („Hol mir bitte das Auto links neben der Kiste!“)

Auch an die Eltern kann nach der „Säbelhand“-Stunde eine kurze Infomail geschickt oder ein Aushang am Schwarzen Brett der Kita gemacht werden, um das Thema kurz zu erläutern und sie einzuladen, es auch im Alltag verstärkt aufzugreifen. Für die Kinder kann es hilfreich sein, wenn in den folgenden Tagen und Wochen immer mal wieder ein kleiner Säbel auf die dominante Hand gemalt wird – so kann sich die Unterscheidung von links und rechts sowohl ins visuelle als auch ins Körpergedächtnis einschreiben.

Für Kinder, denen das Unterscheiden von rechts und links trotz „Säbelhand“ schwer fällt, ist es besser, mit Automatisierung zu arbeiten, indem zunächst bewusst nur mit einer Seite (der dominanten) gearbeitet wird, die spielerisch immer wieder abgefragt wird, z.B. so

  • das Kind steht auf einem Wackelbrett/-kissen und soll Dinge immer nur mit der rechten Hand nehmen oder es fährt mit einem Rollbrett und soll sich immer mit dem rechten Fuß abstoßen
  • bei einem Hüpfspiel wird immer mit dem rechten Bein gehüpft…

Für diese Kinder ist es zudem besonders wichtig, dass es nicht zu Fehlern kommt. Darum sollte man, wenn ein Kind lange überlegt, besser selbst das richtige Ergebnis sagen oder auf das gemeinte Körperteil bzw. den Gegenstand zeigen, da falsche Antworten bzw. Reaktionen den Automatisierungsprozess verlangsamen.

Fallen Kinder durch eine noch nicht gesicherte Händigkeit auf, sollte dies mit dem Kinderarzt besprochen werden, um ggf. eine Händigkeitsdiagnostik einzuleiten. Kinder sollten sich im Alter von ca. 4 Jahren für eine Hand entschieden haben. Gibt es keine klare Dominanz einer Gehirnhälfte, kann das Gehirn stark belastet werden und Störungen können die Folge sein (bspw. Verlangsamung, Orientierungs – und Richtungsprobleme, Beeinträchtigung von Gedächtnis und Konzentration sowie Probleme bei der Koordination und Feinmotorik).

 

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